Liebe leben in der Freude des Gebens – Eudämonia finden?

Eine zur wahren Liebe erhobene Form derselben zeigt sich in der Freude des Gebens, und zwar nicht im materiellen Sinn, sondern im zwischenmenschlichen Bereich – so Erich Fromm. Was gibt ein Mensch dem anderen? Er gibt etwas von sich selbst: vom Kostbarsten, was er besitzt – er gibt etwas von seinem Leben. Das bedeutet nicht unbedingt, dass er sein Leben für den Anderen opfert, sondern dass er ihm etwas von dem gibt, was in ihm lebendig ist. Er gibt ihm etwas von seiner Freude, von seinem Interesse, von seinem Verständnis, von seinem Wissen, von seinem Humor, von seiner Traurigkeit – von allem, was in ihm lebendig ist.
Indem er dem anderen auf diese Weise etwas von seinem Leben abgibt, bereichert er ihn, steigert er beim Anderen das Gefühl des lebendig-Seins und verstärkt damit dieses Gefühl des lebendig-Seins auch in sich selbst. Er gibt nicht, um selbst etwas zu empfangen – das Geben ist an und für sich eine erlesene Freude. Indem er gibt, kann er nicht umhin, im Anderen etwas zum Leben zu erwecken, und dieses zum-Leben-Erweckte strahlt zurück auf ihn. Wenn jemand wahrhaft gibt, wird er ganz von selbst etwas zurück empfangen. Zum Geben gehört, dass es auch den Anderen zum Geber macht. Und beide haben ihre Freude daran, was sie zum Leben erweckt haben. Im Akt des Gebens wird etwas geboren, und die beiden beteiligten Menschen sind dankbar für das Leben, das für sie beide geboren wurde. Für die Liebe insbesondere bedeutet dies: die Liebe ist eine Macht, die Liebe erzeugt!

Für die Perlenprinzessin auf dem weissen Elefanten

Ex literis: Der Liebhaber von Toni Morrison

Die alte Sklavin Baby Suggs wird durch ihren leiblichen Sohn freigekauft. Sie entschliesst sich darauf hin, nicht anderes mehr zu behalten als ihr grosses klopfendes Herz in ihrer Brust. Beinahe jeden Samstag geht sie in den nahen Wald, gefolgt von einer Schar Frauen, Männern und Kindern – alles ehemalige Sklaven. Sie treffen sich auf einer Lichtung, wo alle von Baby nach einem kurzen Gebet dazu aufgerufen werden, zu lachen, zu tanzen und zu heulen.
Und die Hände gern zu haben, die so lange Schweres ausführen mussten. So auch das eigene Antlitz, das man in den Augen Anderer lächerlich wähnte, weil es nie Anerkennung und Wertschätzung entgegennehmen durfte. Die Hände sollten ihren Rücken streicheln, der so viel Geisel und Prügel erduldete. Ein unstreitbar scheinendes Recht, denn gerade er hat unsere Anerkennung und Liebe nötig – unser stolzer Rücken.
Baby Suggs macht so lange weiter, bis sie jeden Zentimeter des Körpers mit adäquater Streicheleinheit beglückt hat.

Diese sehr bewegende Passage ist einem traurigen, beklemmenden Buch entnommen, der doch Wunderbares herausschält: das Entdecken der Eigen- oder Selbstliebe. Und die Gruppe Sklaven erscheint – auf unsere Vorstellungsweise umgemünzt – uns doch sehr vertraut. Als Sklaven würden wir uns sicher nicht bezeichnen, doch eines bleibt uns sicher gemein: der Mangel an Selbstliebe. Schon Religionen in unserem Kulturkreis fordern deutlich: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!

Eigen- oder Selbstliebe ist ein – oder das – Basisbedürfnis eines jeden Menschen – eine existenzielle Bedingung, deren Ausbleiben uns verkümmern lässt. Ohne Eigenliebe ziehen wir uns den Boden unter den Füssen weg; wir entziehen uns gleichzeitig das Recht, dazusein.

Diese Sklavenmutter macht uns aber auch anderes deutlich. Nicht die rührige Beschäftigung mit uns selbst, der meist ein Austausch mit anderen Menschen abgeht und die uns gern in unergründliche Tiefen verlieren lässt, verschafft uns Daseinsberechtigung. Nein, ein Zelebrieren in der Gemeinschaft ist angezeigt. Es scheint ein Ritual, und Baby Suggs lebt uns vor, wieder uns selbst zu lieben und damit einem menschenfremden Zirkel der Unterordnung abzusagen.
Der Ausgangspunkt aller Kraft ist Eigenliebe; wir sind unser ureigenster Energiebrunnen und doch kein Perpetuum mobile: Je mehr Aufmerksamkeit wir unseren Bedürfnissen schenken und dieselben mit Liebe anerkennen, umso mehr erleben, entdecken wir diesen eigentlichen Urquell in uns, und auch, was ihn dauerhaft nährt.
Menschen unter Menschen: Uns lieben heisst auch lieben, was und wie wir sind. Gerade durch dieses erwachende vorbehaltlose Empfinden ermöglichen wir uns das, was uns zum wahren Menschen macht – zum liebenden Menschen (Homo amans – und uns definitiv von den Tieren unterscheidet). Uns selbst zu lieben, setzt in uns Kraft in mannigfaltiger Ausrichtung frei. Andere zu lieben, setzt Kräfte fürs Erwirken und Erreichen weit bedeutender, gemeinsamer Absichten frei.
Löst ein kaltes, nacktes Verlangen meist kaum mehr als ein Swappen aus, vermittelt die richtige Portion Liebe Treibstoff unerahnten Ausmasses. Das Ausmass wird meist erst viel später fassbar, wenn sich uns neue Türen öffnen, steinig vermutete Wege sich hindernisfrei überwinden lassen und uns gar sehnlich herbei gehoffte Chancen in den Garten des eigenen Schaffens fallen!

13.12.5

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann … – wahrscheinlich von Charlie Chaplin

Zu seinem 70. Geburtstag, den er am 16. April 1959 feierte, soll er folgende Worte geschrieben haben. (Allerdings wurden keine eindeutigen Quellennachweise gefunden, die belegen, dass dieser Text tatsächlich von ihm stammt.)

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschah, richtig ist. Von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich, das nennt sich Vertrauen!

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, wie sehr es jemanden beschämt, ihm meine Wünsche aufzuzwingen, obwohl ich wusste, dass weder die Zeit reif noch der Mensch dazu bereit war und auch wenn ich selbst dieser Mensch war. Heute weiß ich, das nennt sich Selbstachtung!

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich, das nennt man Authentisch-Sein!

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war. Heute weiß ich, das nennt man Reife!

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwickeln. Heute mache ich nur, was mir Spaß und Freude bereitet, was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo. Heute weiß ich, das nennt man Ehrlichkeit!

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das gesunden Egoismus, aber heute weiß ich, das ist Selbstliebe!

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, hörte ich auf, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt, das nennt man Einfach-Sein!

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, immer weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur mehr in diesem Augenblick, wo alles stattfindet. So lebe ich jeden Tag und nenne es Vollkommenheit!

Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam mein Verstand einen wichtigen Partner, diese Verbindung nenne ich Herzensweisheit!

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich, das ist das Leben!