Auf die Frage, was einen Menschen, – und wenn man den Befragten genauer kennt – was eine Frau zu einem schönen Wesen macht, antwortet er meist, ohne sich dem Begriff des Schönen auch nur annähernd zu widmen, in diesen Worten:
Eine Frau, die mir Wohlgefallen, den Wunsch nach Nähe und dann auch viel Lebensfreude verschafft, ist wie eine Blume. Sei es eine Rose, die Blüte eines Obstbaumes oder das leuchtende Farbenrund am Rhododendronbaum – oder nenn einfach die, die Dich am meisten lockt.
Was ich mit Liebe betrachte, was mich hält in ihrem Bann, die Form kann es sein, die Farben und deren Wandel, und auch der Duft, der viele Insekten lockt, weiss diese Blüte nach Aussen hin gewinnend zu gebrauchen. Doch weiss sie nicht, was sie mir damit gibt und deutet. Denn nicht der Schein, das Wesen ist’s, das mich an sie bindet. Damit sie meinen Sinnen fortlaufend Empfinden schenken kann, werd ich sie hüten und ihr sorgen, so dass ihr Sein beständig bleibt. Und könnte ich sie nur immer bei mir tragen, doch belass ich sie, wo sie gedeiht und sicher treibt bald junge Triebe. Von ihrem Wirt getrennt, wird sie welken, viel schneller als Dir lieb. Welken wird sie so wie so, um im nächsten Moment erneut zu blühn.
Meine Hand wird sie vorsichtig streicheln, sie hingegen wird Augen und der Nase schmeicheln. Ich gebe ihr wohl klingende Namen, ihr, die sie mich aufs Neue lockt. Und wenn Empfinden satt haben werden lassen, so leg ich mich neben sie hin und schau hoch zum Himmel. Entdecke, dass alles geht und wieder kommt, doch bleibt das Eigentliche bestehen. Was ich lieb, das mir gefällt, zeigt auf, dass ich leb und wie. Die Freude, die mir kommt und bleibt, auch wenn die Zeit vergeht. Das Schöne bleibt, weil die Gabe immerfort in mir lebt, durch die Sinne mir Genuss zu verschaffen. Mich anzuziehen schafft Antrieb und auch Bewegung, innezuhalten frische Kraft und bald Demut, denn was vergeht, wird dereinst auch mein Los. Darum freue ich mich und halt alles fest, was jetzt und fortan so viel Freude spendet. Das Glücksgefühl im Leib, im Geist wacht und harrt der starke Wert: Ich liebe, lebe und erlebe, was mich zum Menschen macht – durch das Schöne oder was schön mich deucht. Und eine Frau wird schön mir bleiben, weil sie bekommt, was bald ich gern in mir zurück erhalte.
homo amans, 20.1.6
Ein Gedanke zu „Für Alisia, oder wie sie heissen darf“