L’ombre de mes amours anciennes,
Du plus loin, du premier rendez-vous,
Du temps des premières peines,
Lors, j’avais quinze ans, à peine,
Man wird mit keinem Paß geboren.
Die Sprache lernte man als Kind.
Am Ende ging der Sinn verloren
Der Worte, die gebräuchlich sind.
Was Heimat heißt, nun heißt es Hölle,
Der man zur rechten Zeit entkam.
Und neue Grenzen, neue Zölle,
Doch selten wo ein wenig Scham.
Da sind die Orte und die Zeiten.
Einst war man jung, nun wird man alt.
Doch immerzu muß man bestreiten
Die Reise und den Aufenthalt.
Das sind die Völker und die Reiche.
Man wandert aus und wandert ein.
Doch überall ist es das gleiche:
Die Hirne Wachs, die Herzen Stein.
Berthold Viertel, geb. 1885 in Wien, Schriftsteller, Regisseur, 1934 Emigration nach New York, gest. 1953 in Wien
„ich hatte wohl tausend Leben, jedoch nahm ich nur dieses!“ – wieso wollte ich gewusst haben, welches dieser Tausend zur Auswahl stehender Leben ich genau gewählt hatte, habe ich wirklich gewählt? Kaum mit menschlichem Bewusstsein, denn dieses habe ich doch erst so um meine Pubertät – empfindbar eigenständig – entwickelt. Dann zumal, als, wie ich später erst bemerkte, meine Seele ob den vielen weltlichen Eindrücken, von ihnen geradezu erdrückt, verstummte.
Ah ja, hatte sie vielleicht aus diesen Tausend Leben genau dieses eine auserwählt – auserwählt, wie pathetisch das aus übergangen gefühltem Ich tönen mag. Doch, jetzt wird sogar die Hybris still … – wenn die Seele, die meine, dieses Leben für mich gewählt, dann kommt ihm wahrscheinlich Bedeutung zu. Wie bei Kant gehört, verstanden hoffentlich, nicht bloss rezitiert: was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch, wenn etwas anderes – auch sei’s die Seele, und erst noch die meine – mir ein Leben zu beschieden hat? Ist mir so dann, auch etwas bestimmt, was ist mir bestimmt?
Heisst etwas, mich ins vermeinte Schicksal zu fügen? Oder, wenn ich es nicht wissen kann, es nicht hoffen darf, sondern fühlen mag? Was empfinde ich? Nun, jetzt, ja! So gewinnt dieses eine Leben, neben den anderen Tausend, an Bedeutung. Mithin erreicht das Gefühl – im Bewusstsein niedergefunden – ein ungebundenes Vermögen, diesem einen Leben Sinniges und Sinnhaftes zuzuerkennen. Mehr, klarer und differenzierter wahrzunehmen: nicht Schicksal ist es, ohne Raum für Wahl und Gestalt nach eignem Sinn. Mehr Fügungen, die dann zur Fügung werden, wenn ich mich noch Schemenhaftem zuwende, ihm im Scheinen meiner Träume und innigster Wünsche Klarheit schenke. Um bald darauf dafür entschieden, klar gezeichnet und mit meinem Streben vermählt, Wahrhaftigkeit zu schenken.
Das eine Leben, eines unter vielen, jedoch nur dieses eine, schenkt sich mir, offenbart mir meine Seele, mein ganzes Wesen ebenso – Wahrhaftigkeit geht in eine höhere Wirklichkeit ein, die Wahrheit selbst: sie bleibt dem unendlich Wissenden verborgen, nur wer glaubt, wer verstehend liebt, oder liebend versteht … . Ach, einerlei – Worte bloss: es ist alles eins, und erschliesst sich sicherlich dem Fühlen weit einfacher, stärker, rascher auch. Sind es Worte bloss, oder bergen sie deutungsvoll, bildlich kräftig, sinnlich weit, den tieferen Sinn, eröffnen sie, wohin die Bestimmung uns zuführt?
Wie ergreift diese Erkenntnis meinen, nun hellwachen Geist – was hält er fest, der Weisheit Kern? Was hat er berührt, was bewegt mein Wesen, von Höherem ergriffen. Selbst Zweifel gehen auf im Vertrauen. Kein Hoffen drängt, kein Wissen verlangt, nur bewusst zu sein, zu wirken: alles, was sich zeigt, so anzunehmen, wie es ist. Was sich zum Guten anerbietet, ohne Verzagen mit eigenem Geschick zu mählen, Verantwortung für alles zu nehmen, frei von Last aus ihr, und sich diesem einen Leben hinzugeben, in ihm der Seele, sich auch, zu geben, was uns eingehen lässt, wo Innerstes und Höchstes sich einen.
Schönheit ist die Summe der Teile, bei deren Anordnung die Notwendigkeit entfällt, etwas hinzuzufügen, zu entfernen oder zu verändern.
Ist das nicht eine Geschichte, die wahre Geschichte zweier Menschen, die sich vor vielen Jahren kennen gelernt haben. Wie lange sollte es gehen, bis sie verstanden – haben wollten? Auf der Suche nach dem Glück begegneten sie der Seele. Schritt für Schritt tasteten sie sich durch ihre Empfindungen, jede Regung, woher sie auch kam und ging, wurde angefühlt. Und gegenseitig berührten sie ihre Seelen. So glaubte er, sich in sie verliebt zu haben. Ab und zu vermeinte auch sie, Schmetterlinge tanzen … und verbat es sich wieder. Doch nein, sie begegnten ihrer eigenen Seele, indem sie verstanden. Jedoch erst, als das Leiden sich verabschiedete. Endlich, dann drang es durch. Im letzten November tauchten sie wieder – jeder vom anderen getrennt – im Bewusstsein des Anderen auf. Verstohlen, schuldig wessen, wahr nur, weil da. Vorhanden, noch ohne Sinn, ringend nach Deutung. Seine Worte machten erste Gehversuche, fühlten bald Papier, um sich dann – eigentlich törricht – selbst zu entsorgen. Vor Weihnachten ein grosses Couvert, beschrieben dann mit vielen Sätzen, noch Glauben, noch Gewissheit fordernd. Unsicher, gar forsch, weil unklar was zu fordern wär.
Wenn du nach zehn Jahren, zehn langen Jahren, einstweilen sicher bist, dass du nicht mehr verliebt bist, dann muss es wohl Liebe sein. Das fand sich ihr auf über 13 Seiten, der Gedanken viele. Er brauchte sie von nichts zu überzeugen, er musste auch sich von nichts überzeugen. Einfach hervorholen, was da war. Nicht zweifelnd, doch zaghaft und beharrlich blieb es da. Nicht vorenthalten, was er liebte und warum, wollte er. Es fand indes noch keine klaren Bilder, die er neben sein Fühlen zeichnen konnte. Die Wochen vergingen, der Wunsch sie wiederzusehen wuchs. Was er von ihr wollte, was er von sich wollte, was sie wahrscheinlich von ihm erwartete, zeigte sich schemenhaft.
Wenn ich träume, höre ich Deine Stimme, Dein Lachen klingt wie früher nach. Ein Strahlen erkenn ich in den Augen, die Freude im Anlitz mahnt bald, es sei erinnern. So wie Du warst, wie bist Du heute? Zeigst Du jetzt Dein echt Gesicht, oder ist es schicklich, das zweite beizubehalten. Wie schön musst Du sein, wenn Du ohne Wagen Dich zeigen kannst, was und wie wirklich bist. Kein schöner als, einfach schön, wie Du geschaffen und durch es geworden bist. Darum bist Du lieb, mir lieb, nicht lieber als …
Erwache ich dann, fehlt mir das alles, die Erinnerung entgleitet stets mehr. Und ich vermisse Dich und alles, was ich mit Dir verbinde. Jedoch erwach ich auch zurück in ein Leben, in ein Gewahrwerden ebenso. In meines dann. Wohl Gedanken über Dich, Gespräche wegen Dir, doch ohne ein ausgesprochen Du. Doch, ich hab gar nicht geträumt, es ist einfach da. Auch in Wachheit erschliesst sich mir eine Reinheit, wieso Du mir einfach so viel bedeutest – so viel mehr als früher.
Ins Bett will er doch mit mir, jeder normale Mann will nur ins Bett, um sich darin, und der ganzen Welt zu beweisen, dass es in sich wichtig sei. Und auch sonst scherrt sich niemand darum, was mir wichtig ist. Ab und an ein tiefes Gespräch, dann ein entrückender Anlass, ein freudiges Zusammensein, lassen mich vergessen, mich wegtragen. Nein, wenn auch immer stiller, es verhallt nie, ein Hoffen, mein Sehnen, das Wünschen. Ist es nicht mein Leben, ist es nicht die meine Zeit, gehöre ich nicht hierher, bin ich dafür nicht wert? Bin ich niemandem wert – gibt es jemand, der mir nahe sein will? Der geben kann, der mir selbst zu geben hilft? Jemand, dem ich etwas bedeute, der mich nimmt, so nimmt, wie ich wirklich bin? Achtend alles, aufmerksam zugewandt, mit echter Zuneigung dorthin, wo ich bin und gehen will.
Nicht verzweifelt, traurig schon, keinem Menschen böse, und doch enttäuscht bin ich. So oft wurde ich im Leben enttäuscht, von Menschen um mich meist. Nicht Erwartungen an sie enttäuscht, sondern von ihnen fallen oder allein gelassen. Verlassen da und dort, wo es mir so wichtig war, mein wahres Ich zu zeigen und unbeschwert zu leben. Schadlos, aber auch ohne Nutzen ihnen mittelnd. Selbst er – oder ist ihm, ist mir entgangen, wo wir uns eigentlich gefunden haben. Wir, zwei Menschen, uns zugetan, doch stets einander wegweisend, nicht abweisend, nahmen wir Bezug zu anderen, hofften, bangten und taten anders, uns zu weisen, dass doch nichts werden könne, dürfe.
Wenn wir nur sein könnten, wonach unser Erleben im Kern verlangt. Wenn wir erleben könnten, was wir denken. Und dächten, was wir fühlen; und fühlten, was wir glauben. Wenn wir glaubten, was wir ureigenst wollen: ich will, was ich liebe, und ich liebe, was ich bin. Und das Glück finden sie nicht im Andern, sondern in der Begegnung ihrer Seelen, ihrer eigenen Seele nun. Sich im Anderen zu entdecken, sich zu entfalten und sein eigen Hoffen, Wünschen, Trachten zu verwirklichen. So Raum und Zeit zu finden, verschafft grosses Glück. Darin sich zu erkennen, erfüllt mit Liebe und unbändiger Kraft: Gewissheit und Vertrauen! Allein im Verstehen findet sie den Brunnen, und will sich dem Anderen geben als Quell. Aufrichtig ist das Gefühl, das ausbricht und sich zeigt, in Worten erst, bald Taten, um im Schaffen aufzugehen. Da finden sich die Seelen, angezogen von Liebe zu dem, was wir sind, damit wir uns und alles nur so erleben. Dich liebe ich, und darum, gewinnt an Sinn und Bedeutung Tiefe. Und beide wissen, unversiegend und von unbestimmter Dauer ebenso – dich liebe ich!
Zum Hoffen verdammt, weil sich tiefere Einsichten in fremdes Leben verbieten – ungefragt und darum noch unerlaubt …
und wenn schon – noch in Rätseln fest gefangen – und denn doch, das Leben hier und jetzt verlangt danach, den Empfindungen und Gefühlen freien Lauf zu lassen. Und wenn weltlich Worte allenthalben verweigern, uns klar kundzutun, so nimmt ein anderer Sinn die Stimme wahr. Geht mit ihren Zeichen in Freude auf, nun eingeweiht im Erleben anderer Sinnlichkeit und Deutung unseres Bestehens.
Bleibt eine Ahnung nur, ist der Einlass verwehrt: das Herz ruhig weiss, es sind Worte bloss, die ein Geheimnis
scheinbar bergen, dahinter offenbart sich des Wesens Sein und Sinn – wahrhaftig, im Glauben ans Leben
und in dich selbst, zeugen sie eine universelle Kraft – in weltlich Worten heisst sie Liebe! Grenzenlos
vertrauend schenkt sie sich, ohne sich je zu verschenken. Wenn sie nimmt, nimmt sie nur von sich selbst, und gibt, um nie aufzugeben ………
und zieht nun ein Lächeln über Dein Angesicht, so hast Du verstanden, was Deine Seele schon lange weiss.
Um sich in Deiner Erscheinung uns zu zeigen, in Sinnlichkeit wächst Freude und ehrfürchtig staunt der jetzt
eingeweihte Mensch: vor Dir, vor mir auch, vor uns allen und alledem, was uns verstehen gelernt hat.
mikol haahavot,
Liebe Lucia
Mit dieser Anrede verbinde ich die Hoffnung, dass Du diese Zeilen – und es werden derer viele sein – lesen wirst. Weitere Erwartungen hege ich nicht.
Warum dann? Seit vielen bist Du in mir präsent, nicht bloss als verblasende Erinnerung an frühere, gemeinsam verbrachte Zeiten. Zu jeder Tageszeit tanzen Gedanken und auch unerklärliche Empfindungen in mir herum, deren Anlass ich nicht kenne. Doch bündeln sie meine Aufmerksamkeit und lenken sie mit diesen offenen Worten zu Dir. Ich will Dich nun daran teilhaben lassen, wie ich mich mit denselben auseinandersetze.
In den unzähligen Monaten, während wir uns nicht sahen, entwickelten sich viele Lebensschritte und verdichteten sich Inhalte in meinem Dasein, deren Ursprung teilweise auch in unseren Begegnungen liegen. Einen wesentlichen Teil davon verarbeite ich im Buch, dass den Titel ‚homo amans‘ – der liebende Mensch trägt. Und in dieser Kunst, nein einer eigentümlichen Haltung erfahre ich mich auch – ich liebe über alles: alle mir nahestehenden Menschen, mein Dasein, die lehrreichen Erfahrungen, auch sind sie nicht immer erbaulich. Ich liebe die Inhalte meines Schaffens, und vor allem diejenigen, für die und mit denen ich wirke.
Ich liebe eigentlich alles, dessen Gegenwart ich als sinngebend verstehe und als Bestandteil meiner Lebenserfahrung anerkenne. Was bedeutet mir die Liebe? Lieben heisst unter vielen weiteren Inhalten die Dinge so annehmen, wie sie sind. Sie in Wesen und Wirken schätzen und anerkennen. Was ich liebe, ist gut, schön und damit dem eigenen Leben wertvoll. Und in seiner Ganzheit ist es gut und schön, weil ich es mit Liebe betrachte. Damit habe ich Dir, Lucia die Liebe, die meine noch nicht erklärt! Es kommen Gefühle und eigenartig vertraute Empfindungen hinzu, die mich – noch ohne Sprache oder Bilder ohne Worte – den Objekten zuwenden und zuneigen lassen. Irgendwie scheint da in mir etwas mehr von den Dingen um und in mir zu wissen?! Ich suche deren Nähe, fühle mich wohl, auch wenn mir der Ursprung noch verborgen scheint. Ich finde Energie und auch Willenskraft, schöpfe Zuversicht und Vertrauen, aus dem selben Brunnen, die mir der Verstand nicht zu erschliessen vermag. Alles in allem beflügelt das geliebte Ding das ganze Dasein. Es macht es noch kostbarer und sinnvoller. Je nach Wichtigkeit und Richtigkeit zielt die Liebe auf ein Wesen in der Wahrnehmung, die ich mit den zentralen Inhalten und Symbolen des individuellen Bestehens verbinde.
In etwas zehn Jahre zurück, habe ich einen Menschen kennen gelernt, der mir noch heute so viel bedeutet, dass er mir nicht aus dem Sinn, genauer aus dem Herz geht. Ja Lucia, es waren sicherlich Zeiten, lange zugleich, wo Erinnerungen schwanden. Und waren sie von Begebenheiten im Jetzt überlagert, so blieb stets eine Empfindung leise wach und bestehen, deren Berechtigung ich heute besser zu verstehen glaube.
An einem Dezemberwochenende habe ich zum zweiten Mal „como agua para chocolate“ gesehen. Wie beim ersten Mal war ich hingerissen, allein drängte sich ein weiteres, längst verloren geglaubtes Gefühl hinzu – bald zur Erkenntnis werdend.
Im April dieses Jahres, rund zwei Monate nach ihrem Konzertauftritt, hörte ich ein Lied der Kolumbianerin Marta Gomez: todas las palabras. Viele Monate vergingen, keine noch so gute Übersetzung half, bis ich verstand. Nun, seit einigen Tagen scheine ich wirklich verstanden zu haben – mich selbst!
Ich liebe Dich! Ich liebe Lucia, die ich vor vielen Jahren, und doch erst kürzlich kennen gelernt habe. Und hielt ich diese Liebe für unmöglich, sie blieb. Und versuchte ich sie mit anderen Liebseligkeiten zu ersetzen, wie unauslöschlich stand sie da. Und mit und in diesen Worten bekommt sie endlich Raum und Gestalt.
Wenn ich Dir, geliebte Lucia morgen begegnen würde, wüsst ich noch nicht, welchen Ausdruck sie finden würde. Dass Du lebst – nicht in einer Erinnerung, Du bist im Hier und Jetzt wach. In einer unvergänglichen Schönheit, die nicht an die Erscheinung an der Oberfläche gebunden ist. Wenn ich, ohne Trauer oder Schmerz – zurückschaue, so stelle ich fest, dem Wort ‚Projektion‘ viel Aufrichtigkeit geopfert zu haben. Diese Auseinandersetzung kreiste jeweils nur um den Begriff und verdunkelte die Situation: so fand ich selten Zugang dorthin, wo ich heute Klarheit finde und mich in ihr auferstehend erlebe.
So befreiend, so erquickend, wenn man seine Gefühle versteht, anerkennt und sie unmissverständlich nach aussen trägt. Welche Wonne, welche Freude liegt im aufrecht ehrlichen Ausdruck. Sergio Bambaren verdeutlichte es so: Wichtig ist der Mensch nicht, weil er geliebt wird. Wichtig ist er, weil er liebt – das Andere um sich herum, deren Bedeutung … . Paulo Coelho präzisierte in der Hexe Portobellos: es zähle nicht, ob du vom Anderen geliebt werdest, sondern ob du fähig seist, dem Anderen zu geben, was er brauche.
Liebe Lucia, auch wüsste ich nicht, ob Du es annähmest, so gebe ich von ganzem Herzen die Anerkennung, die Verlässlichkeit und das Vertrauen, welche Dir im Leben so mannigfaltig entzogen wurden. Auch verglimmen letztlich alle Erinnerungen, die damit verbundenen Emotionen gehen einher. Während Eintes verheilt, bleibt Anderes als Wunde zurück, die unverarbeitete Gefühle in Narben zurückbehalten. Übrig bleibt die Essenz, ein grossartiges, wertvolles Wesen; eine Seele, die sinnsuchend wahrnimmt und ebenso sinngebend wahrgenommen wird.
Das alles ist keine Projektion – das unverfälschte, im Moment ins Bewusstsein aufgearbeitete Gefühle, einst gehegt, noch spontan und darum von der Ratio unbeeinträchtigt, Dir an- und zugetragen. Wie sind sie, wie echt und wirklich? Mir sind sie im Augenblick so wahr und wahrhaftig, klar und eindeutig ebenso. Streben keine Verherrlichung an, suchen einfach den Weg zu Dir. Ohne etwas an oder in Dir abbilden zu wollen. Und es bereitet mir Glück und schier unbeschreibliche Freude. Doch zeitigt die Liebe auch den Unbill in dieser Form des Ausdruckes. Im Brief, den ich schreibe, und in dem ich mich auf mich beziehe, fehlt vor allem eines – das Du.
Lucia, schon wieder ich, ich verlange danach zu erfahren, wie es Dir wirklich geht, wonach Du trachtest. Wie liebst Du, was liebst Du und wofür lebst Du? Weder fremd, noch „lejos di te“ möchte ich so gerne anteilnehmen, Dir geben, was Du brauchst. Dir Fülle und Erfüllung vermitteln, Dir Liebe so schenken, dass Du trunken im einzig echten Rausch in ein Leben findest, dass Dir, nur Dir richtig und wichtig ist, Selbstsucht kommt allenthalben, verschwindet schnell, wenn sich höhere Gunst zeiget. Weshalb kreuzen sich unsere Wege, und warum laufen sie neben einander? Welcher Sinn, welch tiefere Bedeutung eröffnet sich uns?
Nur nicht das Fühlen und Erleben vergessen, gewahr werden, was sinnlich oder auf anderem Weg sich uns offenbart. Lieben heisst ernst, für wahr nehmen, achten und schätzen, innig umarmen, ohne dort festzuhalten, wo es einem gefällt – ersticken würd es unweigerlich und damit zerrinnen, wie warmer Sand in geballter Hand. Denn alles, auch Geliebtes strebt – wohin? Eine Frage – von unermesslichem Tiefgang – für den Moment, wo Liebe sich an den Kern unseres Lebens wagt, ihn sorgsam berührt, uns über alles dorthin führt, worin unser Dasein gründet.
Nein doch, lass uns leben und lieben, von derartigen Fragen unbeschwert. Achtsam, aufmerksam, offen, vertrauend, voll Zuversicht; und alle Antworten finden ganz leicht zu uns heim. Sie sind da, immer schon, mit dem Dasein unentzweibar verbunden. Marta Gomez, todas las palabras, lasst euch umarmen. Liebe, nicht um ihrer selbst willen, versteht, – ich habe verstanden – Lucia Andrea, weshalb ich Dich liebe, was ich an Dir liebe. So lange verloren geglaubt, immer hier, nie weg, und doch zurück. Auch zurück zu Dir, zu Deinem Innersten. Endlich angekommen, im Frieden und von wundervollen Gefühlen erfüllt. Ach könnt ich Dich nur auch beschenken, nicht zurückgeben, was Du mir bereits gegeben hast, sondern Dir all das bescheren, das Deinem Leben ein anhaltendes, reiches Fest werde, wahr gewordene Träume und endlich erfüllte Wünsche feiernd!
* * * mikol ha’ahavot * * *
Dich liebe ich jetzt, so und darum – und die Offenbarung freie die Gefühle Dir und mir! homo amans, 24.12.2009
Die Griechen mögen nun darum streiten, was nun überhandnahm, ob sie alle vorhanden und im Gewicht eben: Agape, Philia, oder und. Eros darum zum Schluss: mit diesen Worten stehe ich ganz nackt vor Dir, entblösst in wahrer Ehre. In meiner Körpermitte ist meine Erregung Dir aufrecht sichtbar zugewandt – mithin auch das Verlangen, das an diesem Punkt vorerst endet, sich vollendend.
Denn mein Bekennen hat auch Dich entkleidet, und so stehst Du vor mir, geschält auf das, was Fassaden- und Rollenspiel meist zu verbergen wissen – ein Bild im Aussen, das der Ausgestellten keine Korrekturen und Ergänzungen mehr zugesteht, um verletzliche Blösse unantastbar zu wähnen. Selbst ein grosses Mass Verantwortung bleibt an Dir haften: mir obliegt allein, Dir all mein Innerstes anzutragen, während Du nun darüber befinden musst. Der Mann begehrt (lediglich) zu nehmen, lässt vielleicht die Überzeugung wachsen, angedeutet in Zeichen seiner Kraft. Es ist der Natur der Frau zugewiesen, entweder abzuweisen oder ihr Zutrauen weiter nähren zu lassen. Denn sich hinzugeben, sich ihm zu geben, hier entscheidet nicht des Körpers Schoss. Es sind weit mehr als die Bedürfnisse, die leiblichen Ursprungs sind.
In ihrer Ganzheit unverhüllt trachten beide danach, darum zusammen zu finden, um geeintes Wesensgut zu bestätigen. Damit die unsere Natur, die Deine so die meine, grüne und gedeihe, in Ewigkeit fortbestehe. Den stärksten Glauben vollziehend, den Glauben an Dich, an Mich, an uns, an alles was ist und in alles, wozu wir beizutragen fähig sind. Im Sein und Wirken der Liebe liegt ein Grund unseres Bestehens, und im guten Schaffen sollen mehren und weiterfinden dieselbe. Eine höhere Gunst wird uns den Vorzug gewähren und selbst darin weiterkommen. Bald in Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit eingegangen, um dann als Humus, dereinst sogar versteinert, sich in Neuem aufzu- und in in die Ewigkeit einzugehen.
Nun, liebe Lucia, alles begann mit Gedanken, mit einem Gedanken, vorab einer Empfindung, sei es vor vielen Jahren oder vor kurzem erst. Zur wahren Grösse hat es gefunden, hier auf diesem Papier. Weder Fehlen noch Schaden lässt sich zuschulden, auch die Frage, was Anlass gab, bleibt müssig, unberührt. Nur eines zählt, dass es ist, dass Du bist, dass es mit Dir, in Dir, für Dich und um Dich ist. Ist das Deine Seele, die die meine getroffen hat, sich beiden zu erkennen gab. Mit dem Wunsch uns beiden angetragen, sie zu entdecken und dadurch echt zu werden.
Nichts anderes, es ist der Glaube, der uns treibt. Der Glaube an die Liebe und an das, wohin sie zielt. So auch der Glaube an Dich, an mich und unser Weiterkommen ebenso. Dafür und darum liebe ich Dich, Dich und das was daraus entstehen will und kann. Dich zu küssen wünscht ich sehr, zuerst Deine Füsse, weil Du damit in dieser unseren Welt stehst. Hier, wo immer ich Dich sehen, hören, riechen und spüren kann – so berührst Du meine Welt und mein Leben. Und küssen wollt ich Dich weiter, wo immer es Dir beliebt, als Zeichen meiner Verbundenheit, auch Dich berühren, in Verbindung kommen mit Deinem ganzen Sein. In Deine Welt, in das Leben fliessen, einfinden und meine eigene Welt Dir öffnen …
http://www.youtube.com/watch?v=xh-6ae3q4Ss&feature=PlayList&p=147A22F206718B9A&index=4
http://www.youtube.com/watch?v=1KjpyHX7X-o&feature=PlayList&p=147A22F206718B9A&index=2
Was ist das für eine Lieb
die erst Dich gefunden
nun auch mir zu trieb
unsicher, bald mutig zu erkunden
woher sie kommt, zu wem sie geht
manchmal still, doch unbändig fleht
kehr auch zu mir zurück
und vermehr uns beider Glück.
Doch warum ist sie geschehn
in wessen Schuld liegt unser Tun
lass es bleiben, und sie blühn
denn es zählt nur ihr Wirken nun
Hätte ich Dich nie getroffen, wäre eine Liebe Dir und auch mir entgangen. Dass ich Dich liebe – auch wenn ich die Bedeutung dieses Begriffes vorab noch ungeklärt lasse -, habe ich nie bezweifelt, doch blieb stets eine Unruhe. Wem diese Gefühle galten, wer sie loszumachen verstand, blieb ohne Rätsel. Dieselben zu begreifen – da versagten Worte. Die die es sonst gewohnt waren, rational fassbare Bilder nuancenreich zu (v)erklären und zu verdeutlichen.
Zurück zu Dir. Hätte ich Dich nie kennen gelernt, blieben mir tief bewegende Antworten verwehrt: was ich liebe und warum, was ich deshalb tue, wonach ich trachte und welcher Antrieb mich dazu anhielt.
Liebe zu empfangen, ist ein Geschenk. Zuneigung ein Bedürfnis. Liebe selbst ist kein Gefühl, nur die Freude, Wonne und Genuss, was uns widerfährt. Liebe (weiter) zu geben, ist ebenso wenig ein Gefühl. Wohl wird es uns ein Erlebnis, wenn Emotionen dieses Spiel begleiten. Und uns mit schier unversiegbarer Kraft erfüllen, meist noch im Wesen, Wirken unvertraut und dennoch unbeirrbar. Lassen uns mit eigenem Temperament auf ein Ziel zugehen, das wie starkes Licht einen Weg uns leuchtet.
Und jetzt kommt Dein Wünschen, fern von Stolz und Vorurteil, wie auch furchtfrei, Verletzungen zu erfahren. Ist es nicht eine wunderbare Macht und grenzenlose Freiheit, dem Liebenden innigstes Begehren und Sehnen anzuvertrauen. Zuerst unsicher, vielleicht gar ängstlich werden wir harren, was uns zukommen möge. Vorab zaghaft, alsbald wacker schöpfend, sinnlich schlaufend, finden sich Gaben dann, ein unermesslich reiches Geschenk wird uns gereicht. Und sucht dasselbe auch kein Retour, so lass uns Dankbarkeit empfinden, Liebe derart unberechnend zu empfangen. Und schätzen wir auch unser Sinnen, Innerstes dem Anderen preis zu geben. Was wahre Liebe ward, ist über allem wirklich wirkende Liebe geworden.
Nicht Vorteil hier und Vorsprung da, folgt das und ein Treiben fortan höheren Gesetzen, die weltlich Mass und auf uns selbst bedachte Norm mit Unsinnworten tadelt, gleichsam zügelt …
Ein Sandkorn glitzerte noch unter gleissender Sonne, bald schon dahin gerissen von der Brandung und im Spiel der Wogen tanzend einem Wirbel folgend sich verlor fernweg seiner Herkunft. Dann, ach gefangen, unerwünscht und doch festgehalten, wächst ein Unod dereinst kostbar glänzend gross, um befreit als Perle erneut im Licht zu strahlen. Ein sinnlich fassbares Spiel freut den Menschen und greift gleich nach seiner Seel, sie einzuweihen, welcher Sinn dem Treiben haftet.